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Nationalgarde III. Klasse Abensberg 1809
200 Jahre neues Stadtwappen Abensberg
 
Auf Befehl Seiner Majestät des Königs.
„Die Bürger und die National-Garde III. Klasse zu Abensberg erhält zur Belohnung ihrer Bürgertugenden und Verdienste, welche dieselben während und nach der dort gelieferten Schlacht sich erworben hat, ein neues Siegel, das derselben in vorkommenden Geschäften zu führen erlaubt ist, und dessen sich auch die Stadt Abensberg zu bedienen hat, bestehend zur Hälfte in einem mit abwechselnden theils silbernen, theils lazurnen Rauten oder Wecken geschmückten Schilde, und in der andern Hälfte in den bisherigen Abensberger Wappen, einem diagonal getheilten Schilde, dessen oberer Theil von Silber, der untere aber schwarz ist: in der Mitte befinden sich zwei über das Kreuz gelegte Schwerter, wovon die Griffe von Gold, die Klingen aber von Silber sind.“ So ist es dem Königlich-Baierischen Regierungsblatt vom 10. Jänner 1810 zu entnehmen.
 

Bereits am 24. April 1808 wurde im Namen Seiner Königlichen Majestät von Baiern das Bürger-Militär der Stadt Abensberg mit einer Füsilier-Kompanie (leichte Infanterie) aufgestellt. Hauptmann dieser Kompanie war der Abensberger Handelsmann Alois Heyder, Chirurg war der Abensberger Arzt Anton Widmann.

 

 

Was war nun diese Nationalgarde III. Klasse?

In § 5 des Sechsten Titels der Konstitution für das Königreich Baiern (Königlich-Baierisches Regierungsblatt vom 25. Mai 1808) wird die Bürger-Miliz bestätigt. Zur Erhaltung der Ruhe in Kriegs-Zeiten wurde eine Nationalgarde errichtet, die in 3 Klassen eingeteilt war. Während die Nationalgarde I. und II. Klasse in die aktive Armee und Reservisten aufgeteilt wurde, waren Angehörige der Nationalgarde III. Klasse diejenigen, die zur Erhaltung der Ruhe und Sicherheit der Grenzen ihrer Landgerichts-Bezirke verpflichtet waren, und in der Regel gegen den äußeren Feind nicht eingesetzt wurden. Die Altersgrenze war auf 60 Jahre festgesetzt.

 
In Abensberg stellte die Füsilierkompanie unter Hauptmann Alois Heyder die Nationalgarde III. Klasse dar. Diese Kompanie bestand aus einem Hauptmann, einem Oberleutnant, 2 Unterleutnanten, einem Chirurg, einem Feldwebel, einem Furier (Verpfleger, Tross), einem Sergeanten, 6 Korporalen, vier Spielleuten und 92 gemeinen Soldaten, insgesamt 110 Mann, alles Bürger der Stadt Abensberg. In der noch im Original im Stadtarchiv Abensberg vorliegenden Liste sind bei den gemeinen Soldaten die Vor- und Zunamen, das Alter, die Körpergröße und der Beruf angegeben.
 
Diese Abensberger Nationalgarde III. Klasse hat in der Schlacht bei Abensberg am 20. April 1809 Tausende von Soldaten in und um Abensberg untergebracht und verpflegt und während und nach den Gefechten dafür gesorgt, dass die Not, das Leiden und die Belastungen für die Abensberger Bevölkerung gelindert wurde. Dafür erhielten die Abensberger Bürger und die Nationalgarde III. Klasse ein neues Wappen. Der Chirurg Anton Widmann verband vom 19. April bis Juni 1809 insgesamt 4.318 verwundete Soldaten, besorgte vier Transporte schwer Verwundeter und leitete das ambulante Hospital bis zum 6. Mai 1809 allein und unentgeltlich. Dafür erhielt er die Silberne Verdienstmedaille des Königreichs Baiern.
 
  

Abbildung der ältesten bekannten Zeichnung (schwarz-weiß) und

der neuesten Abbildung (farbig) des neuen Wappens der Stadt Abensberg.

 

 
 

 

 

 
Die Abensberger Grafen und Herren besaßen bereits seit dem 11. Jahrhundert ein Wappen, das schwarz-weiß schräg geteilt war. Nach der Verleihung der Stadtrechte 1348 unter Ulrich III. erhielt auch die Stadt Abensberg ein Wappen, das in Ergänzung des bisherigen gräflichen Wappens mit zwei zusätzlichen Schrägbalken versehen war. Auf dem Abensberger Zollhäusel an der Abensbrücke sind diese Wappen abgebildet.
 
 
 
Nach der Ermordung des kinderlosen Niklas von Abensberg am 28.02 1485 bei Freising wurde Abensberg bairisch, das alte Wappen bestand nicht mehr. Die neuen Farben waren weiß-blau, wie im übrigen Bayern auch.
 
Erst als Folge des Napoleonischen Krieges in der Schlacht bei Abensberg am 20. April 1809 bekam die Stadt Abensberg wieder ein eigenes städtisches Wappen. Diese Verleihung jährt sich heuer zum 200. Mal.
 
Die Stadt Abensberg hat eine Wappenmedaille und Fenstertücher fertigen lassen, die im Stadtmuseum im Herzogskasten käuflich erworben werden können.
 
Abbildung der Wappenmedaille, Vorder- und Rückseite

 

 

Originalansicht des Abensberger Bürger-Militärs, daneben die entsprechenden Transkriptionen

 

2. März 1808

Im Namen
Seiner Königlichen Majestät
von Bayern
 
Das Bürger-Militär der Königlich baierischen
Stadt Abensberg formiert nach anliegender Tabelle
Ziffer 1 ein Füsilier Kompagnie, wobei folgende
Oberoffiziere angestellt, und selben die hiermit
folgenden Patente vom 24. dieses Monats gefer-
tigt, beigeschlossen werden:
 
Hauptmann:    Alois Haider /:Handelsmann:/
Oberlieutnant: Joseph Schnaidl /:Buchbinder:/
Lieutnant         Johann Maria Fabrici :/Handelsmann:/
2. Lieutnant     Simon Widmann :/Bierbrauer:/
Chirurg            Anton Widmann
 
Die Rangliste dieser Offiziere liegt unter
der Ziffer 2. an.
 

Die Tabelle Ziffer 3. enthält die gebrech-

   
lichen Bürger, welche, wie bei Neustadt befohlen
ist, zur Bürger Militär Kassa zu konkurrieren
haben.
 
Die Tabelle unter Ziffer 4. enthält endlich die
über 60 Jahre alten Bürger.
 
Die Beilage Ziffer 5. enthält die Stempelgebühr
Taxe, welche von den betreffenden Individuen ein-
zubringen, und anher zu übersenden ist.
 
Bei der nunmehr eingetretenen Forma-
tion dieses Bürger Militärs sind die Ober- und
Unteroffiziere der Kompagnie gehörig vorzustellen;
von denen man erwartet, daß sie ihrer Charge
und dem Dienste Ehre machen.
 
Die militärische Begräbniß Feierlichkeiten
   
 
der Bürger Soldaten beginnen nunmehr nach der Königl.
Verordnung vom 29. Julius vorigen Jahres (1807), und eben
so ist auch die Bürger Militär Ökonomie Kommission
nach einer unterm 29. August darauf erlassen-
en Verordnung in Thätigkeit zu setzen.
 
Die Feuerpiguets[1] haben nach einem königl.
Befehle vom 12. Jänner abhin ihren Dienst anzutretten
und gebührend fortzusetzen.
 
Die Taufzeugnisse folgen zurück.
 
Wie dieses befolgt worden erwartet man seiner
Zeit die schuldige Paritions Anzeige[2].
 
Uebrigens wird hier dem Königl. Landgerichte
Abensberg das allergnädigste Wohlgefallen über die
dienstmäßige Organisierung dieses Bürger Militärs
bezeugt, demselben aber zugleich erwiedert, daß ein


[1] Feuerpiguets, Feuerpikett, in manchen Armeen Teil der Garnison, der vorher bestimmt ist, bei   
 Feuersbrunst die Umgebung der Brandstätte abzusperren (Meyers Konversationslexikon 1897,
  Band 6, S. 377
[2] Parition, Gehorsam, Folgeleistung
   
Exerzier Reglement für das Bürger Militär ehe-
stens erscheinen werde, indem dasselbe der aller-
höchsten Begnehmigung[1] Sr. (Seine) Majestät des Königs
unterliegt. Bis dahin wird es aber gut seyn, wenn sich
der Bürger Soldat nach dem bisher bei dem königl.
Linientruppen bestehenden Exercitium[2] in den
Maßen übt, jedoch nur in soweit, als es der Gar-
nisons Dienst erfordert.
 
München, den 24. April 1808
Königlich bairisches General Landes Kommissariat
 
 
 
An
Das Königlich bairische Land-
gericht Abensberg                                                Schwaiger
 
 
die
Bürger Militär Formation
dortselbst betreffend
 


[1] Begnehmigung = Genehmigung
[2] Exercitium = Übung
   
An das
Königl. baierische Landgericht
in
Abensberg
 
am 23. May ist die Vorstellung geschehen.
 
 
 

   

 

 

 

 

 

Alois Heyder

 

 

Übersicht Angehörige der Nationalgarde III. Klasse

 
   
   
 
 
   
 
 
 

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