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 Sie sind hier: Geschichte & Ereignisse » Schierling, Anekdoten zu Napoleon
Legenden und Anekdoten rund um die Schlacht von Eggmühl
Bedeutende Ereignisse werden nicht nur durch Geschichtsschreibung und Denkmäler überliefert. Gerade um komplexe historische Ereignisse im kulturellen Gedächtnis zu überliefern, wird sich Anekdoten und Legenden bedient. Im Folgenden sind drei in Eggmühl und Umgebung überlieferte Geschichte aufgeführt.
Wie stark ist Erzherzog Karl?
GrenadiereZur „Schlacht bei Eggmühl“ kursieren verschiedene Geschichten um Napoleon und die Soldaten. Eine davon erzählt Folgendes:
Ein gefangener österreichischer Grenadier wurde Napoleon vorgeführt. Dieser lies ihn fragen, wie stark Erzherzog Karl sei (gemeint war die Truppenstärke). Der Tiroler Soldat antwortete wahrheitsgemäß: „Das weis ich nicht. Ich habe mit dem Erzherzog noch nicht gerauft“.
Diese aussage hat Napoleon so erheitert, dass er dem feindlichen Soldaten die Freiheit schenkte und ihn in seine Heimat entließ. (mündliche Überlieferung in Schierling)
Kaiser Karl kaputt!
Der Oberbefehlshaber der österreichischen Armee, Erzherzog Karl, hatte in den damals noch stehenden Gebäuden des 1803 säkularisierten Benediktinerklosters in Paring Quartier genommen, als am 19. April 1809 zwischen französischen und österreichischen Vorhuten bei Thann und Hausen ein heftiges Scharmützel entbrannte. Der letzte Probst des Klosters, P. Bernhard Rauch, bewohnte noch das Kloster als Pfarrvikar. Plötzlich sprengte ein französischer Reitertrupp in den Klosterhof mit dem Ruf: »Wo ist Kaiser Karl? Kaiser Karl kaputt!« Pater Bernhard rief ihnen vom Fenster herab zu: »Kaiser Karl ist nicht da«, worauf die Franzosen wieder abzogen. - Der Austragsbauer Johann Sedimeier von Paring erzählte, dass seine Base Scholastika, die 1809 im Pfarrhof als Magd diente, wiederholt und mit aller Bestimmtheit ausgesagt habe, P. Bernhard habe den Erzherzog beim urplötzlichen Auftauchen der französischen Reiterpatrouille in einem Schrank versteckt.
Napoleons Dank an Simon Deiß
Noch nach dem l. Weltkrieg war eine Taschenuhr des Kaisers Napoleon im Besitz einer Schierlinger Familie. Es war eine große, kräftige und schön gebaute silberne Spindeluhr aus der Werkstatt eines Pariser Uhrmachermeisters. Wie sie nach Schierling kam, soll hier genau so berichtet werden, wie es die ehemalige Eigentümerin selbst erzählt hat:
Am Tage vor der Schlacht von Eggmühl ging der 17jährige Simon Deiß von Schierling nach Dünzling. Als er ein gutes Stück im Walde war, wurde er plötzlich von französischen Reitern angehalten. Sie wollten den jungen Mann ohne viel Federlesens erschießen, denn sie hielten ihn für den Spion, den zu suchen sie ausgeschickt worden waren. Auf den Simon nämlich traf die ihnen mitgeteilte Personalbeschreibung so ziemlich zu. Während der kurzen Exekutionsvorbereitungen nahte eine weitere Reiterkavalkade. Napoleon erschien persönlich hoch zu Ross und ließ sich berichten, was hier vor sich ginge. Da man den wirklichen Spion bereits kurz vorher festgenommen hatte, befahl Napoleon, den Burschen loszubinden und nahm Simon als ortskundigen Wegweiser auf dem kürzesten Weg nach Sanding mit, den er ohne sicheren Führer nicht zu finden glaubte, wollte er nicht in die Hände österreichischer Reiterpatrouillen fallen. In Sanding überreichte der Kaiser dem verängstigten Simon seine eigene Taschenuhr als Schmerzensgeld für den ausgestandenen Schreck und als Dank für die sichere Führung. Simon überstand alle Kriegswirren und die Uhr vererbte sich weiter in der Familie Deiß, die von einem Kunstschreiner ein zierliches Schränkchen anfertigen ließ, um darin das kostbare Geschenk Napoleons aufzubewahren.
Anmerkung:
Die Geschichte erzählte der 1973 verstorbene Uhrmachermeister Hans Herzog. Er kannte die Uhr und beschrieb sie als Fachmann. Weiter fügte er an: „Heute (bezieht sich in etwa auf das Jahr 1963) lebt noch ein einziger Nachkomme des Simon Deiß, zwar auch schon im Greisenalter und weit weg in Westdeutschland. Die Uhr ist sein größter Schatz, eine kostbare Erinnerung an schwere Zeiten und daran, wie sein Urgroßvater einmal knapp dem Tode entrann. Ich könnte seinen Namen und seine Adresse nennen, doch wozu? Soll ich ihm einen Schwärm von Raritätensammlern auf den Hals schicken?“
Das herbe Erlebnis des Simon Deiß und das Uhrengeschenk als versöhnlicher Abschluss sind unbestrittene Tatsachen. Trotzdem birgt der Bericht eine Ungereimtheit: Napoleon, der nach der Schlacht bei Abensberg dem geschlagenen General Hiller nachsetzte, konnte zum angegebenen Zeitpunkt nicht durch den Wald vor Dünzling reiten. Der vermeintliche Napoleon scheint ein französischer General gewesen zu sein.
Der tote Tambour auf der Kirchhofmauer
In jenen Apriltagen des Jahres 1809 lagen bei den Bauern in Schneidhart viele französische Soldaten im Quartier. Unter ihnen war auch ein ganz roher Patron, ein Tambour, der nicht nur seinen Hausherrn, sondern auch andere Dorfbewohner auf jede nur mögliche Weise quälte. Einmal verlangte er von seinem Bauern 50 Gulden und drohte ihm, seine sämtlichen Pferde im Stall zu erschießen, wenn er nicht bis zum nächsten Tag das Geld bekäme. Doch der Bauer, bereits des öfteren völlig ausgeplündert, hatte selbst nichts mehr.
In der Tat lagen tagsdarauf seine beiden schönsten Pferde erstochen im Stall. Nun wurde den Schneidhartern das böse Treiben des Tambours denn doch zu dumm. Sie lauerten dem Schurken auf, erschlugen ihn und verscharrten seine Leiche auf freiem Feld. Von da an, auch als sämtliche Truppen nach der großen Schlacht bereits abgezogen waren, saß der erschlagene feindliche Soldat zum Entsetzen der Bevölkerung auf der Kirchhofmauer. Auf den Rat eines frommen greisen Priesters gruben die Schneidharter die Leiche wieder aus, beerdigten sie im Dorffriedhof und setzten ein Kreuz auf den Grabhügel. Von da an wurde der Tambour nicht mehr gesehen und es war wieder Ruhe im Dorf.

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